Dieses Foto wurde in einem kleinen Durchgang zwischen dem Wohnhaus und eines Gebäudes aufgenommen, in der die Eigentümer in der Vergangenheit eine kleine Firma hatten. Heute gibt es ein Haus für die Familie und ein Fotostudio auf der anderen Seite. Alles ist alt und aus Holz. Tatsächlich haben wir dort im Studio einen Fotoworkshop durchgeführt und Angelina war unser Model.

Nach dem Workshop – ich glaube es war ungefähr 18 Uhr im Sommer – fragte ich sie, ob sie Lust hat, ein paar Bilder im alten Teil des Studios zu machen. Es ist im oberen Stock. Nicht für einen Workshop geeignet. Alles ist voller alter Möbel und Sachen. Aber perfekt für mich und sie für eine kurze Session. Und das Licht dort war einfach perfekt.

Das Fenster war wie ein Sechseck. Aber recht einfach und alt. Der Himmel war etwas bewölkt und die Sonne schon auf der anderen Seite des Gebäudes. Wir hatten also perfektes indirektes Licht durch das Fenster. Der Hintergrund dieses Bildes wird durch ein anderes Fenster beleuchtet. Im Hintergrund des Bildes kann man noch die Ansätze einer Türe erkennen. Aufgrund des kleinen Fensters hatten wir viel mehr Licht in ihrem Gesicht und weniger Licht für den Körper. Dies gibt dem Körper etwas mehr Details. Und sehr wichtig für ein gutes Zeichnen der Form ist, dass sie sich ein wenig von der Lichtquelle weg dreht, sodass wir eher ein Seitenlicht auf ihrem Körper haben.

Das Gesicht ist zum Fenster gedreht, und das ergibt ein weiches und schönes Licht sowie wundervolle Schatten auf ihr Gesicht. Das sehr gute ist der Kontrast in der Gesamtkomposition. Wo sie vom Licht beleuchtet wird, ist der hölzerne Hintergrund dunkel. Wo sie dunkel und im Schatten ist, ist der Hintergrund hell. Wir haben also auf jeder Seite des Modells einen perfekten Kontrast und sie kommt richtig gut aus dem Bild heraus.

Für dieses Bild wollte ich einen Hintergrund, der bereits verschwommen ist, und das Model im Fokus. Da die Augen mit dem Körper in einer Ebene sind, können wir sie leicht fokussieren und den Hintergrund ins Bokeh laufen lassen. Mit einem 85-mm-Objektiv war dies nicht sehr schwierig. Es war mein Sigma Art 85mm auf meiner Nikon D800e. Aber das Bild ist nicht so alt, wie dieses Kameragehäuse vermuten lässt. Ich habe diese Kamera einfach viele Jahre lang benutzt, weil sie mir genau das gab, wonach ich in meiner Arbeit gesucht habe. Normalerweise war die beste Kombination für mich die Leica Summicron-R 50mm für diese Kamera. Für dieses Bild habe ich aus den oben beschriebenen Gründen ein anderes Objektiv gewählt. Beim 85er fällt die Schärfe im Bokeh schneller ab als beim 50er.

Angelina wird sehr oft für Dessous-Aufnahmen gebucht. Das kann ich total verstehen. Aber ich liebe es, mit ihr so zu fotografieren, dass die Sexyness nicht im Fokus steht. Auch wenn es ein Dessous-Bild ist und es natürlich sexy ist, ich liebe ihre Stimmung, die sie mir durch den Ausdruck gibt. Das macht den Unterschied für mich aus. Es ist dort keine sexy Stimmung. Und diese Kombination verleiht dem Bild mehr Tiefe als ein Bild, das nur „Ich bin sexy“ sagt. Für mich ist es wichtig zu sagen „Ich bin eine Frau, ein Mensch“. Der Respekt für meine Modelle ist mir sehr wichtig.

Im Nachbearbeitungsprozess habe ich die Kontraste optimiert und etwas Dodge und Burn gemacht. Um die bereits gezeichneten Formen zu unterstützen. Ich mache nicht gerne viel Nachbearbeitung, aber um das Bild zu optimieren, muss ich die Kontraste etwas verbessern.

Wie sich aus dem obigen Text ableiten lässt, reise ich leicht. Ich trage nur meine Kamera und zwei oder drei Objektive bei mir. Manchmal auch ein Reflektor, aber sonst nichts, wenn ich vor Ort fotografiere. Immer bei mir – meine 50mm Festbrennweite. Und meistens ein 35mm und / oder ein 85mm. Das ist alles. Es ist irgendwie lustig, wenn Leute mich fragen, ob sie mir mit meiner Ausrüstung helfen können, wenn ich an einem Set ankomme. Ich nehme dann meine Tasche und sage ihnen: „Danke, ich habe bereits alles, was ich brauche!“

Tipps für solche Bilder:

  1. Der Kontrast von links nach rechts: Hintergrund dunkel / Modell hell und Modell dunkel / Hintergrund hell.
  2. Zwischen Taille und Arm befindet sich eine Lücke, die die Form aufgrund des starken Kontrasts zwischen Hintergrund und Modell noch mehr formt.
  3. Licht. Nase zum Licht, Körper weg vom Licht.
  4. Bokeh. Behalte das Modell im Fokus und bring den Hintergrund in die Unschärfe, damit sich das Model abhebt.
  5. Modell. Beine überkreuzen, so dass die Form des Körpers am unteren Rand des Bildes schmaler wird. Gewicht auf ein Bein, um die Hüfte ein wenig zu neigen. Das gibt Form in den Körper. Achte auf die Flaschenform. Schauen mal einfach eine Colaflasche an. Das ist die Form, die wir erreichen wollen – eine schmale Taille.

Und immer Respekt zeigen. Ehrlich an den Menschen vor der Kamera interessiert zu sein, ist der Schlüssel zu schönen Bildern mit einer Stimmung.

Regelmässige Tutorials gibt es im PROGRESS Magazin und Tipps zu Lichtsets in meinem e-book „Set-up’s fürs Wohnzimmer“.