Als ich vor einiger Zeit das neue Nikkor 105mm f/1.4 von Nikon Schweiz zum Testen bekommen sollte, freute ich mich wie ein kleines Kind auf Weihnachten. Als es bei uns zu Hause an kam und meine Frau mir sagte, dass es da ist musste ich natürlich sofort nach Hause um es aus zu packen. Klar, es war nur geliehen für ne Woche um es zu testen, aber das Fotografenherz schlägt da natürlich hoch!

Da stand sie also die klassische goldene Nikon Verpackung. Mich interessierte aber natürlich nur der Inhalt. Das ausgepackte Objektiv ist echt ein mächtig anmutendes Teil – Filtergewinde nicht weniger als 82mm! Mit knapp einem Kilo (985g) auch kein Leichtgewicht auf dem Body aber die optische Leistung braucht eben seinen Platz. Auf der Kamera sieht das schon recht gross aus und das auch bei meiner D800e inkl. Batteriegriff.

Ne menge Glas also! Blickt man vorne rein hat man das Gefühl in einen massiven extrem klaren Block geschmolzenen Sand zu sehen. Der Autofokus ist nicht besonders schnell, aber wen wundert das hier? Für Portraitaufnahmen etc. mehr als ausreichend, für Sport würde ich auf andere Objektive zurück greifen. Zu Beginn musste ich mich überraschender Weise etwas an die 20mm mehr Brennweite gewöhnen, man braucht einfach auch ein wenig mehr Platz und die Distanz zum Modell ist etwas grösser. Die Haptik ist hochwertig wenn auch der Fokusring Nikon-Typisch leichtgängig ist und der Radius sehr klein. Nichts für Liebhaber der manuellen Fokussierung, – für mich persönlich ist das nicht so ideal – aber daran möchte ich das Ding ja nicht messen, es geht um Bildqualität!

Damit wär ich schon beim Thema und will nicht länger drum rum reden (vorweg: meine Erfahrung beruht auf einem Praxistest und nicht auf Laborwerten).

Das 105er ist richtig scharf! Mit Sicherheit eine der schärfsten Linsen die ich je in der Hand hatte und das will was heissen! Selbst bei Blende 1.4 ist die Schärfe schon besser als bei so mancher Festbrennweite wenn sie abgeblendet wird und ab 1.6 legt sie sogar noch einen kleinen Tick zu. Chromatische Abberationen hatte ich auch bei Offenblende nur gering, nichts was Lightroom nicht mit einem Klick entfernen könnte, insofern kein Thema. Die 105mm bewirken allerdings, dass die Verschlusszeit entsprechend in die Höhe geht um ein Verwackeln zu vermeiden. Wo man mit 85mm noch ruhig halten kann, da wirds bei 105mm schon schwierig.

Für mich persönlich ist aber noch etwas anderes viel wichtiger als die perfekte Schärfe – das Bokeh. Nicht nur die Art der Unschärfe, sondern auch der Verlauf von scharf nach unscharf ist entscheidend für die Wirkung eines Bildes. Auch hier war ich begeistert von der Leistung der Linse, Nikon hat da echt ein grossartiges Stück gebaut! Der Unschärfeverlauf ist gleichmässig und weich, das Bokeh ruhig und cremig. Und ich bin nicht von jeder Nikon Linse restlos begeistert. Ich fotografiere z.B. die meisten meiner Portraits mit dem Leica Summicron-R 50mm f/2 und dem Leica Summicron-R 90mm f/2. Ich würde aber sagen das Bokeh des 105er ist besser als jenes des Nikon 135mm f/2 DC das ja als „cream machine“ gilt und das ich früher bereits einmal hatte.

Die Vignettierung ist bei Offenblende erwartungsgemäss moderat bis stark, aber das stört mich absolut nicht, man kann das auch leicht beheben. Ich gehe davon aus, dass Adobe bald ein Objektivprofil für Lightroom / Photoshop heraus bringt.

Ich mag besonders auch die Farb- und Kontrastwiedergabe. Sehr angenehm und intensiv. Das Licht kommt offenbar sehr klar auf den Sensor.

Fazit: Eines der besten Objektive die ich je in der Hand hatte.

Bilder mit dem Nikkor 105mm f/1.4 an meiner Nikon D800e

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