Ein „ausgezeichnetes“ Bild
Mit grosser Freude hab ich die Info entgegen genommen, dass mein Foto bei den fstoppers zum photo of the day gewählt wurde. Das gab natürlich einen rechten Schub an likes auf meinen facebook und Instagram Profilen. Echt cool, danke fstoppers!!

Auf viewbug hat es gleich mehrere Awards abgeräumt. Vielen Dank auch hier!!

Das MakingOf

Weil mein kleiner Artikel bei den fstoppers auf englisch ist, möchte ich euch den hier nochmal auf deutsch vorlegen. Viel Spass beim Lesen und danke für euer Interesse. Er ist hier auch etwas ausführlicher als im englischen 😉

Diese Fliege sass auf einer pinken Blume am Morgen nach einer regnerischen und kalten Nacht. Stacking macht Spass!!!

Und wie schafft man es mehr als 50 Bilder einer LEBENDEN Fliege in Tautropfen zu machen und dabei die Natur zu respektieren? Weiterlesen!




Ich bin dagegen Tiere zu töten um sie zu dokumentieren, selbst wenns ne Fliege ist. Speziell für die Fotografie liebe ich die Herausforderung eben solche Bilder von lebenden Tieren zu machen. Das ist schwierig, oft eine Geduldsfrage und es braucht Zeit, aber umso mehr freut es, wenns klappt!

SO STARTET MEIN TAG:
Eigentlich startet er schon am Vorabend, denn die Akkus der Kamera und der Blitze müssen über Nacht geladen werden, sonst kann man gleich wieder ins Bett kriechen nach dem Aufstehen 😉 Ausserdem reinige ich noch alle Linsen und pack schonmal meinen Rucksack.

Für gewöhnlich stehe ich ca. 2h vor Sonnenaufgang auf – die meisten Wetter Apps zeigen den Sonnenaufgang an. Die Vorhersage des Windes spielt eine grosse Rolle, wenns nicht nahezu windstill ist, dann bleibt lieber liegen und geniesst die warme kuschelige Decke! In diesem Massstab versaut euch die Bewegung eines Fühlers um einen Millimeter die ganze Arbeit oder schafft euch stundenlange Arbeit in Photoshop.

Die besten Tage sind die, an denen es am Vortag etwas warm ist – im Frühling oder Herbst – und die darauffolgende Nacht unter den Gefrierpunkt fällt. Dann hat man Insekten die vor Sonnenaufgang „wie angefroren“ sind und die auf die ersten Sonnenstrahlen warten um sich auf zu wärmen (Einzelne Insekten können ihre Körpertemperatur meist nicht einfach regeln). Die Fluchtdistanz der Tierchen minimiert sich dadurch dramatisch und man kann so nah ran wie man es für solche Bilder eben muss. Aber Vorsicht! Sie sind immernoch lebendig und schnell weg wenn man sich ruckartig bewegt oder doch zu nahe kommt.

Ich ziehe mich also echt warm an, denn wenn man langsam und vorsichtig durchs Gras kriecht wirds dann schnell sehr kalt! Also kriechen ist vielleicht etwas übertrieben aber unterschätzt es nicht wie kalt es wird, wenn man sich 2 Stunden nur wenig bewegt! Ich packe dann meine Sachen (Liste am Ende des Beitrages) und gehe „jagen“. Manchmal gehts 5 Minuten und man wird fündig, manchmal geh ich frustriert heim und hab nix gefunden – aber so ist die Natur! Das ist Teil der Herausforderung und Teil der grossen Freude wenns klappt.

SETUP:
An diesem Tag habe ich diese Fliege gefunden. Sie war voll Tautropfen und ich nutzte die Gelegenheit meine Kamera auf zu stellen. Das ist der Punkt an dem die Zeit beginnt gegen mich zu arbeiten.

Ich stelle also mein Stativ auf und lege die Mittelstange quer, damit ich die nötige „Höhe“ erreiche. Unter der Kamera montiere ich dann den PhotoPro DMM 903 mit zwei Blitzköpfen und Softboxen, das kommt dann auf den Einstellschlitten und den Kugelkopf. Sieht aus wie ein Raumschiff aber das bringts!! Ausserdem stelle ich einen Reflektor auf um das Sonnenlicht zu blockieren, denn ich brauche konstante Lichtverhältnisse – die ändern sich bei Sonnenaufgang sehr schnell – und ausserdem verhindert es, dass das Insekt von der Sonne aufgewärmt wird. Objektiv: 105mm Makro von Sigma und die Raynox DCR 250 Nahlinse vorn drauf.

Am Ende wird das ganze Konstrukt via USB 3.0 mit dem Laptop verbunden um via HeliconRemote das ganze ein zu stellen. Dann mache ich ein paar Testshots – keine Sorge das Blitzlicht interessiert die Insekten nicht.

Wenn alles fertig ist, dann lass ich die Software machen wofür sie gemacht ist und mit aktivierter Spiegelvorauslösung – Vibrationen sind der Tod für Knackscharfe Bilder 😉 – und eingestellter Pause für das Aufladen der Blitze geht es etwa 5 Minuten um 50 Bilder zu machen. In dieser Zeit sollte sich absolut nichts bewegen und das Licht konstant bleiben – gut letzteres wird ja durch die Blitze geregelt.

Welche Blende verwende ich? Eine zwischen 8 und 13. Blende 8 und 11 sind meiner Erfahrung nach die besten für dieses Objektiv, f/13 spielt noch in der gleichen Liga ist aber ein halber Schritt und ich verwende gerne ganze Blenden, diese sind einfach aufgrund der Bauart der Objektive oft einen Tick besser, aber das ist schon Haarspalterei 😉

Wenn man Glück hat, fliegt das Insekt nicht weg während dieser 50 Shots und es bewegt sich auch nicht. Man wird es nicht bemerken wenn es die Fühler bewegt um sich langsam auf zu wärmen aber in der Bildbearbeitung kann das Stunden an Arbeit bedeuten, wenn man das manuell überblenden muss.

BILDBEARBEITUNG:
Ich hatte Glück und es war kaum Bewegung im Bild, diesemal brauchte ich ca. 5h für das fertige Bild.

Ich starte immer mit ein paar kleinen Adaptionen in Lightroom:
– Weissbalance optimieren
– Schatten etwas aufhellen
– Highlights etwas zurück bringen
– Ausserdem spiele ich gern etwas mit der Kamerakalibrierung – ich weiss das ist nicht dafür da, aber ich finde es gibt kein falsch oder richtig, es gibt nur gute und schlechte Ergebnisse und selbst das ist subjektiv.
– kleinere Farbkorrekturen
– Schärfung setze ich immer auf 0 zurück, das ist noch nicht der richtige Zeitpunkt hierfür
– ebenso die Rauschreduzierung. Solche Bilder nimmt man eh bei ISO 100 auf
– Finger weg vom Klarheit Regler!! Kommt alles später

Anschliessend synchronisiere ich diese Einstellungen mit allen Bildern der Serie und exportiere die 16bit TIFF Dateien in voller Auflösung für HeliconFocus um sie zu überblenden. Es ist immer ein Experimentieren mit den Einstellungen und meist habe ich am Ende 2 bis 4 Bilder die ich dann als Ausgangsbasis für meinen manuellen Stacking Prozess in Photoshop verwende.

Nächster Schritt PHOTOSHOP
Manuelles Stacking (oder Überblenden) heisst, dass einige Teile des Bildes im ersten Bild besser sind als im Zweiten usw., aber die Herausforderung sind – wie schon erwähnt- die Fühler… Sie haben sich bewegt… Und 1/100mm fühlt sich an wie 1cm auf dem Schirm in Photoshop! Das und auch die „Fehler“ die die Stacking-Software produziert sind der Grossteil dieser Arbeit. Partielle Schärfung und Dodge&Burn gehören auch hier zur Arbeit wie bei einem Portrait.

Nachdem ich das finale Bild dann in Lightroom zurück importiert habe mach ich meine letzten Anpassungen. Etwas Dynamik und kleine Farbkorrekturen, Spiel mit der Klarheit und der Schärfe nochmals.

Am Ende kommt dann hoffentlich ein tolles Bild raus. Diese Fliege hat mir schon mehrere Auszeichnungen beschert, was dann natürlich am meisten Freude bereitet.

So das wars, bei Fragen könnt ihr mich gern löchern, ich werde ggf. auch mal einen Makro Workshop machen.

Wünsch euch noch einen tollen Tag!

PS:
Die angesprochene Liste:
– Nikon D800e
– Sigma 105mm f/2.8
– Raynox DCR 250
– Stativ mit Mittelstange die man quer legen kann
– massiver Kugelkopf (das ganze Konstrukt ist am Ende recht schwer)
– Einstellschlitten
– ProPhoto DMM 903 Halterung für Blitze
– 2x Yongnou YN560III mit kleinen Softboxen
– Auslöser für die Blitze
– USB 3.0 Kabel
– Laptop
– HeliconRemote und HeliconFocus
– grosser Reflektor auf Stativ
– Ein Mikrofasertuch und einen Lenspen
– Warme Kleidung und was zu trinken!